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DESTILLERIE FRANZ BAUER GmbH

Insolvenzsache

Der Alpenländische Kreditorenverband gibt bekannt:

Die DESTILLERIE FRANZ BAUER GmbH meldet Insolvenz an.

Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung eröffnet.

Überschuldung rund EUR 2,75 Mio..

128 Gläubiger und 23 Dienstnehmer betroffen.

Restrukturierung und Redimensionierung erforderlich.

Gläubiger sollen 30 % binnen 2 Jahren erhalten

Die DESTILLERIE FRANZ BAUER GmbH mit Sitz in 8020 Graz, Prankergasse 29-31 hat ihre insolvenzrechtliche Überschuldung sowie Zahlungsunfähigkeit eingestanden und einen Antrag auf Eröffnung eines Sanierungsverfahrens mit Eigenverwaltung beim LG für ZRS Graz gestellt. Diesem Antrag Folge gebend wurde das Verfahren eröffnet und Frau Dr. Mag. Ulla Reisch, Landstr. Hauptstraße 1a, Ebene 07, Top 09, 1030 Wien zur Sanierungsverwalterin bestellt.

Unternehmensdaten

Das Destillerie-Unternehmen Franz Bauer GmbH wurde bereits im Jahr 1920 gegründet. Der noch heute bestehende Firmensitz wurde 1931/1932 erworben. Im Juli 1961 erfolgte die Übergabe des Unternehmens an die Familie Schlichte.

Mit Spaltungs- und Übernahmevertrag vom 23.11.2020 erfolgte rückwirkend zum 01.04.2020 die Spaltung der Vorgängergesellschaft FRANZ BAUER GmbH in die DESTILLERIE FRANZ BAUER GmbH sowie die FRANZ BAUER IMMO GmbH, welche zugleich Alleingesellschafterin der DESTILLERIE FRANZ BAUER GmbH ist.

Der operative Betrieb wird durch die DESTILLERIE FRANZ BAUER GmbH geführt, das Immobilien/Liegenschaftsvermögen hält nunmehr die FRANZ BAUER IMMO GmbH.

Wirtschaftlicher Alleineigentümer der „Bauer- Unternehmensgruppe ist Hans-Werner Schlichte, geb. 08.10.1950. Aufgrund notwendig gewordener Umbestellungen wurde Ing. Mag. Karl Gerngroß, geboren am 05.05.1968 mit Gesellschafterbeschluss vom 18.10.2022 mit sofortiger Wirkung zum Geschäftsführer der DESTILLERIE FRANZ BAUER GmbH, der Alleingesellschafter FRANZ BAUER IMMO GmbH sowie jener Gesellschaften, an welchen die DESTILLERIE FRANZ BAUER GmbH Beteiligungen hält, bestellt.

Das Unternehmen hält 100%ige Beteiligungen an der GOSLING GmbH, Fürstenhof GmbH, FBG Vertriebs GmbH, BAUER SCHNAPS.at STEINHAGEN Gmbh, welche von gegenständlicher Insolvenz nicht betroffen sind.

Unternehmensgegenstand ist die Herstellung  eigener Produkte bzw. aufgrund gehaltener Lizenzen sowie der Vertrieb von Edelbränden und Spirituosen, insbesondere importierter internationaler Premiummarken,  im nationalen und europäischen Raum.

Im Unternehmen sind aktuell 23 Dienstnehmer beschäftigt.

Insolvenzursachen / Vermögenslage

Die wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre zeigt massive Umsatzrückgänge, insbesondere durch den Wegfall des Hauptgeschäftes – die Lizenzabfüllung für Mast-Jägermeister SE – kam es zu einem Einbruch der Ertragslage. Auch die Auswirkungen der Corona-Pandemie führten zu geringeren Absätzen in der Gastronomie. Im Zeitraum der Spaltung des Vorgängerunternehmens (siehe oben) wechselte die Geschäftsführung ständig. Aufgrund verschiedener familiärer Interessenslagen verbunden mit dem Wegfall des Hauptkunden wurde eine dringend anstehende Redimensionierung sowie eine strategische Neuausrichtung des Unternehmens verabsäumt.

Aufgrund der negativen Entwicklung wurden seitens der finanzierenden Banken die Kreditlinien fällig gestellt, wobei bemerkenswert ist, dass im letzten Jahresabschluss soweit ersichtlich eine Fortbestehensprognose nicht erstellt wurde.

Letztlich hat man es offenbar im Zuge der Spaltung auch verabsäumt, dass nach den Alkoholsteuergesetz um Bewilligungen neu anzusuchen ist, sodass das Unternehmen für den Zeitraum 09.01.2021 bis 31.03.2022 über keine verbrauchssteuerrechtlichen Bewilligungen verfügte. Durch das Zollamt Österreich wird aufgrund dessen eine Alkoholsteuernachforderung in Höhe von rund EUR 4,1 Mio. geltend gemacht. In diesem Zusammenhang wurden aber offenbar von der DESTILLERIE FRANZ BAUER GmbH Steuerzahlungen für die FRANZ BAUER IMMO GmbH geleistet, sodass hier ein entsprechendes Abgabenguthaben gegeben sein dürfte.

Die Verbindlichkeiten betragen laut vorgelegtem Status EUR 4.240.000,00, wobei EUR 2,075 Mio. auf Bankverbindlichkeiten, EUR 810.000,00 auf Lieferantenverbindlichkeiten bzw. Sonstige entfallen, EUR 700.000,00 betreffen Dienstnehmeransprüche und EUR 655.000,00 Abgabenforderungen.

Die Forderung des Zollamtes wurde hier nur mit rund EUR 500.000,00 berücksichtigt, da bereits im Vorfeld Verhandlungen geführt worden sein dürften, nach welcher eine Übertragung/Saldierung des Steuerguthabens der FRANZ BAUER IMMO GmbH auf das Abgabenkonto des Unternehmens möglich sei, sofern das Sanierungsverfahren erfolgreich abgeschlossen werden kann.

Die Aktiva setzt man mit EUR 1.484.000,00 an, mit EUR 417.000,00 bewertet man das Anlagevermögen (Betriebs- und Geschäftsausstattung, Maschinen, Fahrzeuge etc.), das Umlaufvermögen mit EUR 1.067.000,00 (Warenvorräte, Halbfertige, Forderungen etc.).

Hieraus ergibt sich eine rechnerische Überschuldung von EUR 2.756.000,00.

Weitere Vorgangsweise

Angestrebt werden die Fortführung sowie der Abschluss eines Sanierungsplans.

Neben der erforderlichen Lösung der erwähnten Steuerproblematik werden insbesondere unrentable Unternehmensteilbereiche zu schließen bzw. einzuschränken sein (das Kündigungsfrühwarnsystem gem. § 45 a AMFG wurde bereits eingeleitet), bzw. werden weitere Kapazitätsanpassungen erforderlich sein.

Vorgelegt wurde ein Finanzplan, aus welchem die Finanzierung des Fortbetriebes darstellbar ist.

Aktuell verfügt das Unternehmen auch über keinen gewerberechtlichen Geschäftsführer, welcher Umstand umgehend zu beheben sein wird, um eine Fortführung zu ermöglichen.

Der Sanierungsplan bietet eine 30%ige Quote binnen 2 Jahren.

Verfahrensdaten

Eröffnung:                                              21.11.2022

Anmeldefrist:                                        03.01.2023

Gläubigerversammlung:                     30.11.2022, 15.30 Uhr

Berichts- und Prüfungstagsatzung:  17.01.2023, 11.30 Uhr

Sanierungsplantagsatzung:                31.01.2023, 11.30 Uhr

Forderungsanmeldungen können ab sofort über den AKV angemeldet werden.

Bei Veröffentlichung wird um Quellenangabe gebeten.

Rückfragenhinweis

AKV EUROPA
Alpenländischer Kreditorenverband

Geschäftsstelle Graz

Tel: 05 04 100 – 8000
Mag. Markus Graf
Tel: 05 04 100-8160
Mobil: 0664/84 59 203