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AKV Insolvenzstatistik – Jahresstatistik 2025

Einleitung

Die Rezession in den Jahren 2023 und 2024 war nach den Ausführungen der Wirtschaftsforscher der längste Wirtschaftsabschwung in der Zweiten Republik. 2025 dürfte es im Bereich des BIP-Wachstums wieder zu einer moderaten Erholung gekommen sein. Eine anhaltende Industriekrise, eine Kaufzurückhaltung bei Konsumgütern und Immobilien haben aber dazu geführt, dass sich die Insolvenzzahlen in allen Branchen seit 2023 auf einem Höchststand befinden.

Nach Vorliegen der Ist-Zahlen für das Gesamtjahr 2025 steht fest, dass Österreich 2025 das dritte Rekordpleitenjahr in Folge im Bereich der eröffneten Firmeninsolvenzen zu verzeichnen hatte, wobei die 4.189 Eröffnungen um 0,72 % über dem bisherigen historischen Höchstwert des Jahres 2024 und auch weit über dem Niveau der Finanzkrise 2007/2008 liegen.

Im 2. Halbjahr 2025 ist jedoch die Steigerungsrate leicht abgeflaut, wenn man einen Blick auf die Eröffnungen pro Quartal wirft:

Durch den wirtschaftlichen Zusammenbruch mehrerer Immobilienkonzerne (SIGNA/ René Benko, LNR/Lukas Neugebauer, 6B47, Sveta, SÜBA) rückte die Branche „Grundstücks- und Wohnungswesen“ im Gesamtjahr 2025 bundesweit an die 6. Stelle mit 414 Insolvenzen, aber mit den höchsten Passiva von EUR 3,98 Mrd.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass 9 der 10 nach Passiva größten Unternehmen allesamt in der Immobilienentwicklung tätig sind bzw. waren. 8 dieser 10 Unternehmen (außer der Erste Wiener Hotel -Aktiengesellschaft und der SÜBA AG) sind der SIGNA Unternehmensgruppe zuzuordnen.

Die Passiva bewegen sich seit dem Jahr 2023 auf historischen Höchstwerten, nachdem die Gesamtpassiva der eröffneten Firmeninsolvenzen 2023 circa EUR 16,74 Mrd. und 2024 vorläufig circa EUR 22,32 Mrd. betragen haben. 2025 blieben wir von „Milliarden-Pleiten“ verschont, dennoch belaufen sich die Gesamtpassiva auf EUR 11,03 Mrd., ein Wert, welcher weit über den jährlichen Gesamtverbindlichkeiten vor dem Jahr 2023 liegt.

Trotz der im Jahr 2025 gestiegenen Arbeitslosenzahlen war wider Erwarten eine konträre Entwicklung am Privatkonkurssektor wahrzunehmen. Die 8.765 eröffneten Privatkonkurse bewegen sich annähernd auf dem Vorjahresniveau, die Abnahme um 53 Verfahren bedeutet jedoch ein Minus von – 0,60 %.

Im Detail haben sich die Firmen- und Privatinsolvenzen im Jahr 2025 österreichweit wie folgt entwickelt:

Firmeninsolvenzen

Bereits in unseren Quartalsaussendungen haben wir unsere Befürchtungen geäußert, dass das Jahr 2025 ein neuerliches Rekordpleitenjahr werden wird. Dies wurde nunmehr durch die vorliegenden Ist-Zahlen bestätigt. Österreich hatte 2025 das dritte Rekordpleitenjahr in Folge zu bewältigen.

Mit den 4.189 eröffneten Firmeninsolvenzen haben wir einen historischen Höchstwert erreicht. Wir liegen im Bereich der eröffneten Verfahren auch weit über den Zahlen der Finanzkrise 2007/2008, nachdem 2007 knapp über 3.000 Firmeninsolvenzen eröffnet wurden, und in den beiden Folgejahren waren es circa 3.250 (2008) und circa 3.700 (2009) Verfahren.

Die monatlichen Eröffnungen (siehe auch unsere interaktiven Grafiken auf unserer Website) waren über das Jahr wie folgt verteilt:

Im Jahr 2025 wurden daher im Monatsdurchschnitt über das Vermögen von 349 Unternehmen Insolvenzverfahren eröffnet, wöchentlich daher über das Vermögen von 81 Unternehmen.

Dieser Aufgliederung lässt sich entnehmen, dass bereits bis September des Jahres 2025 mehr Firmeninsolvenzen eröffnet wurden als in den Gesamtjahren 2018 (2.981) und 2019 (3.045), somit in den Jahren vor der Pandemie.

Sogar die Werte des 1. Rekordpleitenjahres an eröffneten Firmeninsolvenzen aus dem Gesamtjahr 2023 (3.369) hatten wir bereits im Oktober des Jahres 2025 überschritten, während die Werte im Vergleich zu 2024 weitgehend konstant geblieben sind.

Im Gesamtjahr 2025 haben sich die Firmeninsolvenzen wie folgt entwickelt:

2025  2024
Eröffnete Insolvenzverfahren 4.189 4.159 +  0,72 %
Verfahrensabweisungsbeschlüsse 2.967 2.468 + 20,22 %
Firmeninsolvenzen gesamt 7.156 6.627 +   7,98 %

Die eröffneten Firmeninsolvenzen sind im Jahr 2025 gegenüber dem Jahr 2024 um 30 Verfahren (+ 0,72 %) auf 4.189 Verfahren gestiegen.

Die Verfahrensabweisungen mangels Masse haben im letzten Jahr jedoch um ein Fünftel (20,22 %) drastisch zugenommen, nachdem 2.967 Insolvenzanträge abgewiesen wurden, weil kein kostendeckendes Vermögen vorhanden war.

// Entwicklung der eröffneten Firmeninsolvenzen in den Bundesländern

Die Steigerungsraten sowie die Abnahmen in den einzelnen Bundesländern ergeben sich aus nachstehender Tabelle und Grafik:

2025  2024
Wien 1 469 1 519 – 3,29 %
Niederösterreich 757 731 + 3,56 %
Oberösterreich 532 462
+ 15,15 %
Salzburg 231 209 + 10,53 %
Tirol 243 235 + 3,40 %
Vorarlberg 96 100 – 4,00 %
Burgenland 148 159 – 6,92 %
Steiermark 497 526 – 5,51 %
Kärnten 216 218 – 0,92 %
eröffnete Firmeninsolvenzen 4 189 4 159 + 0,72 %

Im Bereich der eröffneten Firmeninsolvenzen zeigt sich ein unterschiedliches Bild. In Oberösterreich (+ 15,15 %), in Salzburg (+ 10,53 %), in Niederösterreich (+ 3,56 %) und in Tirol (+ 3,40 %) gab es im Jahr 2025 Steigerungsraten. In den anderen 5 Bundesländern waren Abnahmen zu registrieren, die größten Abnahmen hatten das Burgenland (- 6,92 %) und die Steiermark (- 5,51 %) zu verzeichnen.

Wie einleitend ausgeführt, haben die eröffneten Firmeninsolvenzen österreichweit jedoch um 0,72 % zugenommen. Bei einem Vergleich zum Vorjahr sollte zudem nicht außer Acht gelassen werden, dass ein Vergleich zu vorliegenden Höchstwerten vorgenommen wird.

Besonderheiten weisen die Bundesländer Wien und Oberösterreich auf.

Wien hatte im 1. Halbjahr 2025 799 eröffnete Firmeninsolvenzen zu verzeichnen. Das waren 36,79 % der 2.172 österreichweit eröffneten Verfahren im 1. Halbjahr 2025, zurückzuführen insbesondere auf den Zerfall zahlreicher Unternehmen in der Branche Immobilienentwicklung. Im 2. Halbjahr 2025 gab es in Wien „nur mehr“ 670 Eröffnungen (33,22 % der 2.017 österreichweit erfolgten Eröffnungen im 2. Halbjahr).

Eine gegenteilige Entwicklung gab es in Oberösterreich. Im 1. Halbjahr wurden 234 Verfahren eröffnet und im 2. Halbjahr gab es in Oberösterreich einen drastischen Anstieg auf 298 Eröffnungen, während im Unterschied zu Wien insbesondere Industriebetriebe betroffen waren. Dieser Anstieg im 2. Halbjahr führte dazu, dass Oberösterreich mit 15,15 % österreichweit die höchste Zuwachsrate aufweist.

// gefährdete Arbeitsplätze

Im Jahr 2025 blieben wir von Großinsolvenzen im Ausmaß einer KTM-Gruppe verschont, welche im Jahr 2024 ca. 3.600 Arbeitsplätze gefährdete und zum Teil vernichtete. Sowohl KTM als auch die neuerliche, ebenfalls im Jahr 2024 eröffnete Insolvenz der Firma Leiner & kika Möbelhandels GmbH mit 1.350 Dienstnehmern zählten zu den historisch größten Insolvenzen der letzten Jahrzehnte aus Sicht der betroffenen Dienstnehmer.

Nicht unerwartet ist daher 2025 auch die Anzahl der – von den eröffneten Firmeninsolvenzen – betroffenen Dienstnehmer im Vergleich zum Jahr 2024 um ca. ein Drittel (- 30,56 %) gesunken:

2025: 16.252
2024: 23.405

Im Jahr 2025 haben folgende Insolvenzen die meisten Arbeitsplätze gefährdet:

Top 5 Insolvenzen Österreich nach Dienstnehmer

 GZ Name DN
10 S 15/25x Palmers Textil Aktiengesellschaft
2351 WIENER NEUDORF Palmersstraße 8
515
13 S 11/25z Stiglechner Tankstellen GmbH
4020 LINZ Auerspergstraße 19
507
6 S 152/25g Quester Baustoffhandel GmbH
1190 WIEN Heiligenstädter Straße 24
314
17 S 159/25v ESIM Chemicals GmbH
4020 LINZ St. Peter Straße 25
289
41 S 82/25v Hermes Schleifmittel Ges.m.b.H.
9462 BAD ST.LEONHARD Klagenfurter Straße 360
188

In den beiden Verfahren Palmers Textil Aktiengesellschaft und Hermes Schleifmittel Ges.m.b.H. wurden mit den Gläubigern bereits Sanierungspläne abgeschlossen. In den Sanierungsverfahren Stiglechner Tankstellen GmbH und Quester Baustoffhandel GmbH soll erst in den folgenden Wochen über einen Sanierungsplan abgestimmt werden, während im Konkursverfahren ESIM Chemicals GmbH eine übertragende Sanierung angestrebt wird und noch Verhandlungen mit Interessenten geführt werden.

// Gesamtpassiva der eröffneten Unternehmensinsolvenzen

Im Jahr 2023 haben die ersten SIGNA-Insolvenzen zu Passiva mit historischen Höchstwerten in der Höhe von circa EUR 16,74 Mrd. geführt, nachdem dieser Wert infolge der nachträglichen Forderungsanmeldungen von Gläubigern nach oben zu korrigieren war.

Auch im Jahr 2024 wurden 5 Insolvenzen (Fisker GmbH, KTM AG, René Benko, Familie Benko Privatstiftung und SIGNA Prime Holding GmbH) mit angemeldeten Forderungen in Milliardenhöhe eröffnet, so dass die im Jahr 2024 eröffneten Insolvenzen schätzungsweise unglaubliche Gesamtpassiva von EUR 22,31 Mrd. hinterlassen haben.

Im Jahr 2025 sind Insolvenzen mit Passiva in Milliardenhöhe ausgeblieben, wie nachstehende Tabelle zeigt:

 GZ Name Passiva EUR
5 S 107/25g SIGNA Prime Capital Invest GmbH
1010 WIEN Herrengasse 14/3. OG
870 000 000,-
7 S 29/25m Herkules Holding GmbH
6020 INNSBRUCK Maria-Theresien-Straße 31
777 245 000,-
5 S 80/25m SIGNA sieben 2017 Prime Bet. GmbH & Co KG
1010 WIEN Freyung 3
590 836 000,-
28 S 220/24t SIGNA Prime CM 2017 GmbH
1010 WIEN Herrengasse 14/3. OG
478 744 000,-
7 S 30/25h Herkules Finance Holding GmbH
6020 INNSBRUCK Maria-Theresien-Straße 31
381 949 000,-
3 S 45/25z SIGNA 2019 Eins GmbH & Co KG
6020 INNSBRUCK Maria-Theresien-Straße 31
335 835 000,-
9 S 64/25p SÜBA AG
1010 WIEN Wipplingerstraße 35, 4. Stock
261 834 000,-
2 S 83/25f Erste Wiener Hotel -Aktiengesellschaft
1010 WIEN Kärntner Ring 9
254 040 000,-
6 S 18/25a SPS Primus Holding GmbH
1010 WIEN Herrengasse 14/3. OG
238 399 000,-
6 S 56/25i SIGNA Warenhaus Premium Immo. Bet. GmbH
1010 WIEN Herrengasse 14/3. OG
217 465 000,-

Dadurch haben sich die Gesamtpassiva im Gesamtjahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr mehr als halbiert (- 50,59 %), betragen aber dennoch unglaubliche EUR 11,03 Mrd., wie folgende Gegenüberstellung zeigt:

// Passiva

2025: EUR   11.027.013.000,-
2024: EUR   22.315.565.000,-

Sämtlichen Großinsolvenzen ist gemein, dass sich die tatsächliche Höhe der Verbindlichkeiten noch nicht abschätzen lässt.

// Branchen

Die herausfordernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hinterlassen am Insolvenzsektor weiterhin ihre Spuren. Am häufigsten sind Insolvenzen weiterhin in den Branchen Handel (1.030), Bau (932) und Gastronomie (709) zu verzeichnen.

Im Handel waren auch die meisten Dienstnehmer (2.903) von den eröffneten Insolvenzen betroffen, gefolgt von der Gastronomie (2.615) und dem Bau (2.545).

Wie bereits einleitend ausgeführt, hat der Zusammenbruch mehrerer Immobilienkonzerne zu Passiva mit historischen Höchstwerten geführt. Auch im Jahr 2025 hatte die Branche „Grundstücks- und Wohnungswesen“ mit EUR 3,98 Mrd. die

höchsten Passiva aufzuweisen, dies vor der im engen Konnex stehenden Branche „Finanz- und Versicherungsleistungen“ mit EUR 3,12 Mrd.

// Antragsstellungen

Firmeninsolvenzen können über Eigenantrag des schuldnerischen Unternehmens oder über einen Gläubigerantrag eröffnet werden. Im Jahr 2025 sah das Verhältnis von Eigen- zu Gläubigeranträgen wie folgt aus:

 
Eigenanträge 2.026 48,36 %
Gläubigeranträge 2.163 51,64 %
Gesamt 4.189 100,00 %

Mehrheitlich sind leider weiterhin die Insolvenzeröffnungen nicht auf Initiativen der schuldnerischen Unternehmen, sondern auf Gläubigeranträge zurückzuführen.

Die überwiegende Anzahl dieser Gläubigeranträge wird – relativ schnell – von der öffentlichen Hand (insbesondere ÖGK, Finanzamt, SVS und BUAK) gestellt, weil außerhalb eines Insolvenzverfahrens weitere uneinbringliche Abgaben entstehen würden und weitere Zahlungen von einem Insolvenzverwalter angefochten werden könnten.

Mit den Ende 2025 beschlossenen Betrugsbekämpfungsgesetzen sollen auch Anfechtungsansprüche bei Entrichtung oder Sicherstellung von öffentlichen Abgaben und Sozialversicherungsbeiträgen ausgeschlossen werden. Mit diesem Anfechtungsausschluss fällt auch ein erhebliches Motiv für eine Insolvenzantragstellung weg, so dass der AKV EUROPA damit rechnet, dass Insolvenzanträge der öffentlichen Hand gar nicht oder zu einem späteren Zeitpunkt gestellt werden, nämlich dann, wenn exekutive oder außergerichtliche Zahlungen nicht mehr zu erwarten sind. Dies wird nicht nur das Verhältnis von Eigen- zu Gläubigeranträgen beeinflussen, sondern auch zu einem erheblichen Masseverlust führen, weil verspätete Insolvenzantragsstellungen Sanierungs- und Konkursquotenaussichten drastisch reduzieren.

// Aufhebungen Firmeninsolvenzen und Quotenaussichten

In mehreren vorangegangenen Presseaussendungen haben wir bereits ausgeführt, dass Österreich weltweit führende Sanierungs- und Auszahlungsquoten aufzuweisen hat.

Daran anknüpfend führen wir aus, dass im Jahr 2025 3.436 Firmeninsolvenzverfahren mit folgenden Beendigungsformen aufgehoben wurden:

Sanierungsplan 882 25,67 %
Zahlungsplan 210 6,11 %
Verteilung 1.229 35,77 %
Nullquote 960 27,94 %
Abschöpfung 45 1,31 %
Sonstiges 110 3,20 %
Gesamt 3.436 100,00 %

In 882 Verfahren (25,67 %) wurden mit den Gläubigern Sanierungspläne abgeschlossen. Berücksichtigt man die 210 (6,11 %) Zahlungspläne, so wurden im Jahr 2025 in circa einem Drittel der Verfahren Entschuldungsvorschläge von den Gläubigern angenommen.

Bei 1.229 (35,77 %) der im Jahr 2025 aufgehobenen Verfahren kam es zur Ausschüttung einer Verteilungsquote, während 960 (27,94 %) Verfahren mit einem Totalausfall für die Gläubiger endeten.

Die in den Jahren 2023 bis 2025 abgeschlossenen Sanierungspläne weisen nachstehende Quoten auf:

// Durchschnittsquoten bei Sanierungsplänen

2025 2024 2023
Mittelwert 40,59 % 42,94 % 42,10 %
Median 25,00 % 25,00 % 25,00 %

// Durchschnittsquoten bei Verteilungen

2025 2024 2023
Mittelwert 13,03 % 14,97 % 15,04 %
Median 5,54 % 6,68 % 6,57 %

// Ausblick Firmeninsolvenzen

Die Wirtschaftsprognosen deuten auf eine langsame wirtschaftliche Erholung, die globalen Unsicherheiten stellen jedoch die österreichische Exportindustrie weiterhin vor besondere Herausforderungen. Auch die Inflation und niedrigen Lohnabschlüsse dämpfen den privaten Konsum, so dass die Prognosen vorsichtig optimistisch sind.

Der AKV EUROPA rechnet mit nur langsam sinkenden Insolvenzzahlen im Jahr 2026, zumal sich eine erholende Wirtschaft erst mit einer Verzögerung von 6 bis 9 Monaten am Insolvenzsektor positiv mit abflauenden Insolvenzzahlen niederschlägt. Wir hoffen deshalb, dass sich die Gesamtinsolvenzen (Summe der Eröffnungen und Abweisungsbeschlüsse) im Bereich der Firmeninsolvenzen auf knapp unter 7.000 Verfahren reduzieren werden.

PRIVATINSOLVENZEN 

2025 2024
Schuldenregulierungsverfahren 8.765 8.818 − 0,60 %
Verfahrensabweisungen 862 812 + 6,16 %
Privatinsolvenzen gesamt 9.627 9.630 − 0,03 %

Es wurden um 53 Verfahren weniger eröffnet als im Vorjahr und die 8.765 eröffneten Schuldenregulierungsverfahren bedeuten ein Minus von 0,60 %.

Von den 8.765 eröffneten Verfahren entfallen 291 Verfahren auf Gesamtvollstreckungen. Es handelt sich dabei um Privatinsolvenzen, welche über Gläubigeranträge eröffnet wurden.

// Entwicklung der eröffneten Privatinsolvenzen in den Bundesländern

Während in Vorarlberg (+ 9,93 %), Oberösterreich (+ 3,20 %), Kärnten (+ 2,50 %), Burgenland (+ 2,16 %) und Wien (+ 0,70 %) Zunahmen zu registrieren waren, liegen in den übrigen 4 Bundesländern Abnahmen vor. Den größten Rückgang hat Tirol (- 7,00 %) zu verzeichnen, wie nachstehende Tabelle und Grafik zeigen:

2025 2024
Wien 3 031 3 010 + 0,70 %
Niederösterreich 1 260 1 302 − 3,23 %
Oberösterreich 1 289 1 249 + 3,20 %
Salzburg 349 374 − 6,68 %
Tirol 624 671 − 7,00 %
Vorarlberg 465 423 + 9,93 %
Burgenland 142 139 + 2,16 %
Steiermark 949 1 010 − 6,04 %
Kärnten 656 640 + 2,50 %
eröffnete Privatinsolvenzen 8 765 8 818 − 0,60 %

Die meisten Privatinsolvenzen wurden seit der Einführung des Privatkonkurses im Jahr 1995 im Jahr 2018 eröffnet. Das Jahr 2025 liegt weit hinter den Jahreszahlen an eröffneten Privatinsolvenzen der Jahre 2019 (9.497) und 2018 (10.058) zurück.

Im Jahr 2025 wurden wöchentlich 169 Privatinsolvenzverfahren eröffnet.

Diese rückläufigen Zahlen am Privatkonkurssektor spiegeln die zunehmende österreichweite Verschuldung von Privatpersonen nicht wider. Aufgrund der gestiegenen Arbeitslosenzahlen wäre eher mit einem Anstieg der Privatinsolvenzen zu rechnen gewesen. Eine der Ursachen für diese abweichende Entwicklung liegt darin, dass wesentliche Teile der Schuldenberatung auf eine Existenzsicherung und nicht auf eine dauerhafte Entschuldung bzw. eine Schuldenregulierung ausgerichtet sind. Aufgrund der gestiegenen Lebenskosten ist das Ansparen einer Quotenzahlung nicht möglich, im Gegenteil, in vielen Fällen sollen Neuverschuldungen nicht zu verhindern sein.

Die Gesamtpassiva der eröffneten Schuldenregulierungsverfahren belaufen sich auf EUR 1,21 Mrd., sodass sich eine Durchschnittsverschuldung von EUR 137.700, – errechnet.

61,65 % (5.404) der Privatinsolvenzen entfallen auf Männer, deren Durchschnittsverschuldung in der Höhe von EUR 171.300,- über jener der Frauen von EUR 83.700,- liegt. Bezüglich der einzelnen Altersgruppen zeigt sich nachstehendes Bild:

Eröffnungen Passiva Durchschnitt
Total 8 765 (8818) 1 207 614 000,- 137 700,-
Männer 5 404 (5397) 926 057 000,- 171 300,-
Frauen 3 361 (3421) 281 557 000,- 83 700,-
bis 24 Jahre
Total 231 (170) 10 694 000,- 46 200,-
Männer 121 (96) 7 121 000,- 58 800,-
Frauen 110 (74) 3 573 000,- 32 400,-
25 bis 39 Jahre
Total 2 980 (3089) 277 555 000,- 93 100,-
Männer 1 820 (1933) 206 581 000,- 113 500,-
Frauen 1 160 (1156) 70 974 000,- 61 100,-
40 bis 59 Jahre
Total 4 395 (4417) 742 289 000,- 168 800,-
Männer 2 691 (2641) 563 064 000,- 209 200,-
Frauen 1 704 (1776) 179 225 000,- 105 100,-
60+ Jahre
Total 1 159 (1141) 177 076 000,- 152 700,-
Männer 772 (727) 149 291 000,- 193 300,-
Frauen 387 (414) 27 785 000,- 71 700,-

// Aufhebungen Privatinsolvenzen und Erfolgsaussichten

Im Jahr 2025 wurden 8.322 Privatkonkurse aufgehoben, wobei sich die Beendigungsformen wie folgt darstellen:

Zahlungsplan 5.782 69,48 %
Abschöpfung 2.426 29,15 %
Sonstiges 114 1,37 %
Privatinsolvenzen gesamt 8.322 100,00 %

// Beendigungsarten Schuldenregulierungsverfahren Gesamtjahr 2025

Aufhebungen Privatinsolvenzen und Erfolgsaussichten

So wurden im Jahr 2025 in mehr als zwei Dritteln (69,48 %) der Privatkonkurse mit den Gläubigern Zahlungspläne abgeschlossen. Dabei ergaben sich folgende Quotenhöhen:

Gesamtjahr 2025 Mittelwert Medianwert
Zahlungsplan 28,12 % 17,50 %

Die Quotenhöhe ist zum Teil auch auf den Umstand zurückzuführen, dass die Bereitschaft der Gläubiger, Forderungen in Schuldenregulierungsverfahren anzumelden, sukzessive abnimmt. So meldet nur mehr jeder vierte Gläubiger Forderungen in Privatkonkursen an. Dadurch kann der Zahlungsplan im Regelfall im Zuge einer Anpassung der Quote auf die geringeren, angemeldeten Verbindlichkeiten verbessert werden.

// Ausblick Privatinsolvenzen

Die steigenden Arbeitslosenzahlen werden zu einer zunehmenden Verschuldung führen. Die obigen Ausführungen zeigen, dass damit nicht zwingend steigende Insolvenzzahlen verbunden sind. Aus diesem Grund liegen auch annähernd gleich hohe Insolvenzzahlen in den Jahren 2023, 2024 und 2025 vor. Der AKV rechnet auch im Jahr 2026 mit knapp unter 9.000 liegenden Privatkonkurseröffnungen.

Eine Prognose wird dadurch erschwert, dass im Juli 2026 die 3-jährige Laufzeit eines Tilgungsplans ausläuft. Diese würde sich wieder auf 5 Jahre verlängern, wenn der Gesetzgeber die für Verbraucher „auf Probe“ eingeführten Bestimmungen nicht prolongiert. Diesfalls wäre im 1. Halbjahr 2026 mit einem „Run“ auf die Privatkonkursgerichte zu rechnen, weil viele Schuldner noch versuchen werden in den Genuss der 3-jährigen Laufzeit eines Tilgungsplans zu kommen.

Bei Veröffentlichung wird um Quellenangabe gebeten.

Rückfragenhinweis

Mag. Franz Blantz
Bereichsleiter Insolvenz
Tel. 05 04 100 – 8000
Dr. Cornelia Wesenauer
Pressesprecherin
Leiterin Insolvenzabteilung Wien / NÖ / Bgld.
Tel: 05 04 100 – 1193